Ein Schadstoffkonzept für die Polargebiete (POLEMP)

Eine Kolonie Kaiserpinguine auf der Antarktiszum Vergrößern anklicken
Schadstoffe gelangen in die Antarktis und reichern sich in den sensiblen Ökosystemen an
Quelle: Miriam Müller/ UBA

Die Überwachung der Schadstoffbelastung ist von entscheidender Bedeutung für den Schutz der Antarktis, das Verständnis der globalen Zusammenhänge und die Gestaltung der internationalen Umwelt- und Chemikalienpolitik. Daher hat das UBA ein internationales Forschungsprojekt gestartet, um Daten aus Schadstoff-Monitoringprogrammen ausgewählter Antarktis-Vertragsstaaten zusammenzustellen.

Inhaltsverzeichnis

 

Schadstoffanreicherung in der Antarktis

Die Antarktis ist eine der letzten unberührten Regionen der Erde und erfordert die Überwachung von persistenten organischen Schadstoffen (POPs) und neu auftretenden Schadstoffen (CECs), um ihre empfindlichen Ökosysteme vor einer Verschmutzung mit dauerhaften und irreversiblen Auswirkungen auf die Tierwelt und die antarktischen Ökosysteme zu schützen. POPs und CECs, die durch atmosphärische und ozeanische Strömungen weite Entfernungen von ihrem Ursprungsort zurücklegen können, stellen ein globales Problem dar. Die Überwachung in der Antarktis kann entscheidende Daten über die globalen Verschmutzungsmuster und die Wirksamkeit internationaler Abkommen zur Eindämmung der Umweltverschmutzung liefern.

Die hohe Empfindlichkeit der antarktischen Umwelt gegenüber dem Klimawandelmacht es erforderlich, die Wechselwirkungen zwischen POPs, CECs und polaren Ökosystemen zu verstehen. Nur dadurch ist es möglich, Einblicke in mögliche Veränderungen der Schadstoffverteilung und -toxizität infolge der globalen Erwärmung zu erhalten. Obwohl die Antarktis nur dünn besiedelt ist, bergen Forschungsstationen und saisonaler Tourismus Risiken für den Menschen durch Umweltschadstoffe. POPs und CECs können sich im Nahrungsnetz anreichern und wirken sich auf Arten der verschiedenen trophischen Ebenen aus, vom Plankton bis hin zu Top-Räubern wie Robben und Pinguinen. Überwachungsmaßnahmen zur Bewertung der Gesundheit des Ökosystems und der Auswirkungen auf die biologische Vielfalt sind daher dringend notwendig, auch um potentielle Risiken für die menschliche Gesundheit zu bewerten und Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, ist die internationale Zusammenarbeit von Antarktis-Vertragsstaaten und die gemeinsame Entwicklung eines Schadstoffkonzeptes erforderlich. Die Überwachung fördert die globale Zusammenarbeit, da Schadstoffe die nationalen Grenzen überschreiten. Durch den Austausch von ⁠Monitoring⁠-Daten und -programmen können politische Entscheidungen getroffen werden, die zu strengeren Umweltvorschriften und internationalen Vereinbarungen zur Eindämmung der Freisetzung schädlicher Schadstoffe führen.

 

Gemeinsam Kräfte bündeln

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines umfassenden Konzepts für ein polares Umweltüberwachungsprogramm (POLEMP) von Schadstoffen in der Antarktis, um bestehende Wissenslücken über die chemische Verschmutzung in den Polarregionen zu schließen. Geplant ist ein Überwachungsprogramm, das das Vorkommen und die Schwankungen von organischen Schadstoffen verfolgt und dabei auf bestehende Initiativen wie das Arctic ⁠Monitoring⁠ and Assessment Programme (AMAP), das Antarctic Monitoring and Assessment Programme (AnMAP) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) zurückgreift. Der Ansatz umfasst die Analyse von Proben aus der Antarktis, um ein systematisches Daten-Konzept für die Probennahme- und Probenanalytik vorzuschlagen. Die standardisierten Protokolle der Umweltprobenbanken der Projektpartner werden als Grundlage betrachtet, um den Gedanken einer polaren Umweltprobenbank und die Verbesserung der internationalen Forschungszusammenarbeit weiterzudenken. Darüber hinaus wird das Projekt aktuelle Daten über die chemische Verschmutzung in der Antarktis zusammenführen, um wichtige internationale Umweltforen und -organisationen zu informieren. Dies geschieht über die Zusammenarbeit mit der SCAR ImPACT Action Group und das Stockholmer Übereinkommen. Um den Dialog und den Konsens zwischen Wissenschaftlern und Interessengruppen zu fördern, sind für 2024 und 2026 internationale Workshops geplant. Die Ergebnisse werden über frei zugängliche Veröffentlichungen, Berichte und soziale Medien verbreitet, um eine breite Beteiligung und Wirkung bei den Interessengruppen und der Öffentlichkeit zu gewährleisten und die laufenden Fortschritte bei der Umweltüberwachung in der Antarktis hervorzuheben.

 

Die Projektpartner

Das POLEMP-Projekt ist eine gemeinsame Anstrengung internationaler Partner mit dem Ziel, ein umfassendes Schadstoffkonzept für die Durchführung von Umweltforschung und -überwachung in der Antarktis zu entwickeln. Folgende Partner sind beteiligt.

  • Projekt-Koordination - Helmholtz-Zentrum Hereon (Hereon), Geesthacht, Germany
  • Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME), Schmallenberg, Germany
  • MINJIE Institute of Environmental Science and Health Research (MINJIE), Geesthacht, Germany
  • University of Genoa, Department of Chemistry and Industrial Chemistry, Genoa, Italy
  • Griffith University, Centre of Planetary Health and Food Security, Nathan, Australia
  • Tongji University, Shanghai, China
  • Jianghan University, Wuhan, China
  • National Marine Environmental ⁠Monitoring⁠ Center, Dalian, China
  • Research Center for Eco-Environmental Sciences (RCEES), Chinese Academy of Sciences, Beijing, China